15.01.2021
Perspektive Stadtschloss:

Koalition steht für sinnvolle Nutzung und Biergarten

 

Mit großer Freude feierte Herrieden im Sommer 2019 die Eröffnung der renovierten Bereiche des Stadtschlosses. Dort entstanden unter anderem ein moderner Ratssaal und zeitgemäßer Besprechungs- und Büroraum. Möglich wurden die Baumaßnahmen mit Bundesmitteln aufgrund der nationalen Bedeutung des Bauwerks. Für die weiteren Arbeiten kommt der Herrieder Bürger auf, weshalb derzeit um ein sinnvolles Nutzungskonzept gerungen wird.

 

„Die Frage nach dem Stadtschloss war im Wahlkampf allgegenwärtig“, erinnert sich Christian Enz. Vor allem, so erinnert sich der ehemalige Bürgermeisterkandidat, war dabei eines zu spüren: Ein großer Teil der Bürgerschaft will auf keinen Fall einen teuren Prestige-Bau. Vor diesem Hintergrund hatten sich die FREIEN WÄHLER vor der Kommunalwahl gegen die zum damaligen Zeitpunkt bekannten Optionen ausgesprochen. Diese umfassten Luxus-Gastronomie und einen Bürgersaal. „Wenn das Schloss zu einem Luxushotel mit Sterne-Gastronomie ausgebaut wird, ist davon auszugehen, dass die Baulast bei der Stadt Herrieden bleibt“, sagt Enz. „Wir würden also mit Steuergeld eine Konkurrenz zu örtlichen Gastronomiebetrieben alimentieren. Das ist nicht zu verantworten“. Hinzu kommt, so ergänzt der in der Hotellerie erfahrene 3. Bürgermeister Johann Heller, dass im Schloss kein Wellness-Bereich zu installieren ist. „Der ist in dieser Zielgruppe jedoch unverzichtbar“. Bauausschuss-Mitglied Gaby Rauch verweist außerdem auf das Ambiente insgesamt. „Die bisherigen Konzepte zielen stark auf Familienfeste wie Hochzeiten. Allerdings wäre ein Saal kein prunkvoller Raum mit historischem Ambiente. Vielmehr wäre es ein nüchterner, moderner Veranstaltungsraum – wie er vielerorts anzutreffen ist“. Hinzu kommt, dass die Substanz des Stadtschlosses extrem marode ist. „Der Stadtrat hatte im Sommer die Gelegenheit, der Öffentlichkeit verborgene Räume in Augenschein zu nehmen“, berichtet Enz. „Der Zustand hat mich geschockt. Und wenn man, wie ich, in Rothenburg aufgewachsen ist, hat man viele alte Häuser gesehen“.

 

Kein Geld verschwenden

 

Vor diesem Hintergrund haben die FREIEN WÄHLER vor der Kommunalwahl die Position vertreten, das Stadtschloss bis auf Weiteres nicht weiterzuentwickeln. „Wir wollten den Bau sichern, das Dach abdichten und künftig als von außen schöne Anlage in der Innenstadt erhalten, ohne weiteres Geld in eine auf Dauer defizitäre Nutzung zu stecken“, resümiert Enz. Ein Ansatz, der auch zwölf Monate später noch richtig erscheint. „Allerdings haben wir für diese Variante keine Aussicht auf eine Mehrheit im Stadtrat“, fasst Gaby Rauch zusammen.

 

Auch Rathaus-Umbau bedenken

 

Deshalb, so das Bauausschuss-Mitglied, galt es für die FW-Fraktion, in den letzten Monaten nach einer neuen Position zu suchen. „Dabei war es uns wichtig, das gesamte Areal zu betrachten“, erläutert Rauch. „Mit dem Rathaus steht uns dort demnächst eine weitere große Baustelle ins Haus“. Zum einen reicht der Büroraum dort auf Dauer nicht aus, außerdem ist das Gebäude nicht barrierefrei. „Deshalb hat die bislang nicht verfolgte Idee des Bürgerforums, mit dem Rathaus in das Stadtschloss umzuziehen, neues Gewicht bekommen“, erläutert Rauch. „Aus diesem Grund machen wir uns dafür stark, diese neue Variante zu prüfen“.

 

„Wichtig ist für uns, dass im Schloss bürgerliche Gastronomie stattfinden kann“, sagt Christian Enz. „Denn nur so lässt sich eine solide Bewirtschaftung des Biergartens im Schlosspark sicherstellen“. Diese wird von vielen Bürgerinnen und Bürgern gewünscht. „Auch wichtig ist für uns, dass dort Ausstellungsmöglichkeiten für regionale Künstler entstehen – wie es die Grünen in die Debatte eingebracht haben“, ergänzt Enz. „Denn so etwas fehlt aktuell wirklich in unserer Stadt“.

 

Grundsätzlich wollen wir uns bei solch großen Entscheidungen nicht allein auf externe Informationen verlassen. Deshalb hat die Fraktion die Pläne ausführlich geprüft und Überlegungen von Armin Jechnerer hinterfragt. „Tatsächlich scheint mit Gastronomie und Kultur noch genügend Platz für die Stadtverwaltung im Schloss“, fasst Enz zusammen. „Deshalb hat diese Lösung für uns nun Priorität“. Ein Bürgersaal im Stadtschloss ist damit allerdings nicht mehr möglich. „Dies ist jedoch kein Zeichen dafür, dass wir das kulturelle Leben nicht schätzen“, betont Enz. „Deshalb wollen wir nun prüfen, ob im dann freien jetzigen Rathaus ein Bürgersaal machbar ist, idealerweise mit Räumen für Vereine.“ So könnte das als Amtsgericht errichtete Gebäude zu einem echten Bürgerzentrum werden.