23.01.2021
Innenstadtentwicklung:

Wie geht es mit dem Nägelein-Areal weiter?

 

Es ist ruhig geworden auf dem Nägelein-Gelände am Steinweg. Die letzte Strickmaschine ist seit Langem abgestellt und auch Baumaschinen sind keine mehr zu hören. Denn die Pläne, am Fuße des Martinsbergs einen Einzelhändler anzusiedeln, wurden im Verlauf dieses Jahres eingestellt. Doch wie kann es nun weitergehen?

 

„Die Idee, auf dem ehemaligen Firmengelände einen Supermarkt zu errichten, war von Anfang an umstritten“, erinnert sich Gaby Rauch. Sie sitzt für die FREIEN WÄHLER im Bauausschuss und beschäftigt sich intensiv mit dem Gelände vor den Toren der Altstadt. „Natürlich hätten wir es begrüßt, wenn sich hier ein Vollsortimenter niedergelassen hätte“. Allerdings, so ergänzt die Stadträtin, während ihr Blick über das leicht verschneite Areal schweift, habe man die Sorge der Anwohner bezüglich Verkehr und Lärm nachvollziehen können. Doch frostig ist nicht nur das Wetter, auch das Verhältnis zwischen Eigentümer, Anlieger und möglichen Investoren ist abgekühlt. „Denn nun gibt es die Überlegung, hier Wohnraum zu schaffen“, berichtet Rauch.

 

Moderne Wohnungen statt Brache

 

„Grundsätzlich sind wir dafür, dieses schöne Areal zu einem Wohngebiet aufzuwerten“, betont Christian Enz. „Dies war schon eine Idee in unserem Wahlprogramm ohne, dass es schon konkrete Pläne gegeben hätte“. Doch jetzt kursiert ein detailliertes Konzept. „Das Vorhaben sieht vor, das noch existierende Verwaltungsgebäude auszubauen und terrassenförmig zu erweitern“, erläutert der Fraktionssprecher. Außerdem sollen Anbauten entstehen in denen, wie im Hauptgebäude, moderne Wohnungen unterschiedlicher Größe eingerichtet werden. Flankierend sind auch Doppelhäuser und ein Kindergarten im Gespräch. „Das Konzept gefällt uns gut, und die moderne Architektur würde eine neue Qualität in das Stadtviertel bringen“, lobt Enz.

 

Lichtdurchflutetes Penthouse und Schatten für die Nachbarn?

 

Dennoch treibt das Projekt Anwohnern wie der FW-Stadtratsfraktion Sorgenfalten auf die Stirn. „Das ganze Vorhaben dient der Nachverdichtung“, sagt Gaby Rauch. „Das ist auch in unserem Sinne, denn wir wollen den Flächenverbrauch mit Blick auf Erhalt des Lebensraumes für kommende Generationen spürbar reduzieren“. Das nun vorgelegte Konzept schießt aus unserer Sicht allerdings über das Ziel hinaus. „Besonders heikel ist die Idee, anstelle des bisherigen Satteldaches eine vierte Etage mit exklusivem Penthouse zu bauen“, sagt Enz. Er sorgt sich um das Stadtbild und will keinen Präzedenzfall für andere Maßnahmen im Rahmen der Nachverdichtung. „Außerdem teilen wir die Sorge der Anwohner, dass Nachbarn künftig total im Schatten liegen“, erklärt Rauch. Hinzu kommt, dass durch den Fuhrpark der künftigen Bewohner ein neues Verkehrsproblem entstehen könnte. „Wir rechnen mit 120 bis 160 Autos“, erläutert Johann Heller. „Das sind pro Tag schnell knapp 500 Fahrten, außerdem werden entsprechende Parkplätze benötigt“, so der 3. Bürgermeister.

 

Kompromiss gefragt

 

Ziel der FREIEN WÄHLER ist es nun, einen Kompromiss auszuhandeln. „In diesem Bestreben stehen wir an der Seite der Bürgermeisterin“, erklärt Enz. Unsere wichtigsten Punkte sind dabei eine Reduzierung der Wohnfläche. „Wir sind uns im Klaren, dass ein solch aufwendiges Projekt für den Unternehmer rentabel sein muss - aber wir bitten auch um Verständnis, dass wir keine großstädtischen Verhältnisse wollen.“ Außerdem dürfen Anwohner weder durch Verkehr noch durch Schattenwurf übermäßig belastet werden. „In diesem Zusammenhang erwarten wir ein Parkraumkonzept mit adäquat großen und zahlenmäßig ausreichenden Stellplätzen“, formuliert Enz. „Ebenfalls sehen wir ein viertes Stockwerk kritisch. Es sollten Möglichkeiten ausgelotet werden, ob nicht anderweitig zusätzlicher hochwertiger Wohnraum auf dem Gelände geschaffen werden kann“.