07.01.2021
Garagen- und Stellplatzsatzung:

Weil wir fahren, um anzukommen.

 

Im November regelte der Stadtrat die Vorgaben für Garagen und Stellplätze neu. Künftig müssen bei Bauvorhaben auch außerhalb bestehender Bebauungspläne mehr Flächen vorgehalten werden. Ein richtiger und wichtiger Schritt – denn Parken im öffentlichen Raum wird immer schwieriger.

Ob wir es wollen oder nicht, wir leben in einer Mobilitätsgesellschaft. Dies hat in den wenigsten Fällen mit Luxus zu tun, vielmehr müssen heute viele Menschen an den Arbeitsplatz pendeln oder zum Einkaufen für Arztbesuche und Behördengänge in größere Orte fahren. „Die Menschen sind nicht zum Spaß unterwegs, sondern um irgendwo anzukommen und etwas zu erledigen“, unterstreicht Christian Enz. „Im großstädtischen Raum lassen sich viele dieser Wege mit Bus oder Bahn bewältigen. Bei uns im ländlichen Raum werden wir auch in 20 Jahren noch auf das Auto angewiesen sein“, so der Fraktionssprecher der FREIEN WÄHLER im Herrieder Stadtrat. Ähnlich sieht dies Gaby Rauch. „Wahrscheinlich werden Autos in Zukunft nicht mehr mit Benzin oder Diesel angetrieben“, so die Stadträtin. „Aber für unseren Alltag bleibt das eigene Auto wohl unverzichtbar“.

 

Eine Position, die nicht jeder teilt. So betont der von der Stadt beauftragte Verkehrsplaner Ulzhöfer immer wieder, dass die Bedeutung des privaten Pkws zurückgehen werde. „Dies verleitet dazu, bei den Planungen zu sehr auf Fahrrad und Bus zu setzen“, warnt Rauch. Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeigt, dass der ÖPNV in großen Städten funktioniert. „Dann, wenn es einen engen Takt gibt und die nächste Haltestelle nicht weit weg ist“, ergänzt Rauch. „Im Moment scheitern wir schon daran, Bushäuschen aufzustellen. Da wird das Auto lange nicht verdrängt“.

Weil es wichtig ist, die Flächenversiegelung einzudämmen, werden künftig aber nur noch wesentlich kleinere Grundstücke ausgewiesen. Zudem werden Straßen schmäler ausgeführt und ohne Gehsteige erstellt. „Außerdem versuchen wir, innerorts vernünftig nachzuverdichten“, betont Johann Heller.

 

Dies bedeutet konkret zwei Dinge. Zum einen wohnen künftig mehr Menschen auf weniger Raum. Es gibt in einer Siedlung also auch mehr Autos. Zum anderen wird der öffentliche Parkraum reduziert. „In schmalen Straßen ist es schwer oder gar nicht möglich, zu parken“, weiß Enz. „Wichtig war uns, dass der realistische Bedarf berücksichtigt wird. Dort, wo zwei Erwachsene leben, sind in der Regel zwei Autos“, bringt es Enz auf den Punkt. „Deswegen sollte bereits ab 50m2 Wohnfläche mehr als ein Stellplatz vorgehalten werden“. Eine Position der FREIEN WÄHLER, der sich schließlich alle Fraktionen angeschlossen haben. Außerdem wird E-Mobilität immer wichtiger. „Am saubersten ist es, Autos und E-Bikes mit dem Strom vom eigenen Dach aufzutanken“, ist Rauch überzeugt. Das geht aber nur, wenn ein Pkw auf Privatgrund an den Hausanschluss gekoppelt werden kann. Hierfür braucht es einen Stellplatz am Haus. „Deshalb haben wir für mehr Pkw-Stellplätze geworben – und letztlich von allen Fraktionen Zustimmung erfahren“, freut sich auch Johann Heller.