29.07.2021
Einfriedung des Schüller-Areals sorgt für kontroverse Diskussionen

FREIE WÄHLER vermissen Gesamtkonzept

HERRIEDEN (enz) – Ein nicht alltäglicher Bauantrag beschäftigte den Stadtrat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause. Dabei ging es um eine 3,50 Meter hohe Einfriedung, die künftig das Werksgelände des Küchenherstellers Schüller zum nahegelegenen Wohngebiet Schrotfeld abgrenzen soll. Die Maßnahme wurde genehmigt – entgegen dem Wunsch der FREIEN WÄHLER. Diese vermissen angesichts zahlreicher Planungsänderungen ein Gesamtkonzept zum Schallschutz und hätten sich eine ganzheitliche Planung mit Schallschutzgutachten gewünscht.

„Es ist die Aufgabe der Stadt, örtlichen Betrieben optimale Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. Denn wenn es unseren Arbeitgebern gut geht, dann geht es auch den Bürgern gut“, bringt es Christian Enz auf den Punkt. Dies, so der Fraktionssprecher der FREIEN WÄHLER, bedeute jedoch nicht, dass jede Veränderung auf einem Firmengelände eine Privatangelegenheit sei. „Wenn die Lebensqualität in angrenzenden Wohngebieten oder Ortsteilen betroffen ist, müssen wir eingreifen. Ebenso, wenn es um gravierende Eingriffe in das Ortsbild geht“. Mit dieser Position geht Enz auch zu seinem Parteikollegen Johann Heller auf Distanz. Der dritte Bürgermeister stimmte wieder einmal gemeinsam mit dem BürgerForum. Zuvor hatte Armin Jechnerer den Bauantrag als firmeninterne Angelegenheit bezeichnet, in welche der Stadtrat nicht einzugreifen habe.

Die Frage, ob an der Staatsstraße von Richtung Rauenzell eine 3,50 Meter hohe Wand errichtet werden soll, lässt sich aus Sicht der FREIEN WÄHLER aktuell jedoch nicht fundiert beantworten. „Die Bürger bestmöglich vor Geräuschemissionen zu schützen, ist uns eine Herzensangelegenheit“, betont Gaby Rauch. „Deshalb arbeiten wir auch seit Monaten intensiv an einer Lösung zur Entlastung von Anwohnern – etwa an der Neunstetter, Ansbacher, Münchner, Nürnberger oder Bahnhofstraße. Wir begrüßen es deshalb ausdrücklich, dass die Firma Schüller an die Anwohner des Schrotfeldes denkt“, so die Vertreterin der FREIEN WÄHLER im Bauausschuss. Dennoch sieht ihre Gruppierung die nun beantragte Wand kritisch. „Zunächst hatte sich der Antragsteller für eine 2,50 Meter hohe Wand entschieden. Gleichzeitig wurde ein Gutachten vorgelegt, das zeigt, es ist kein Schallschutz notwendig. Es handle sich bei der Maßnahme um einen reinen Sichtschutz“, erinnert sich Christian Enz. „Dann wurde plötzlich eine 3,50 Meter hohe Wand für unverzichtbar gehalten – während Richtung Roth zwei Meter ausreichend sein sollen“. Hinzu kommt, so ergänzt Gaby Rauch, dass auch das Parkhaus eine Geräuschquelle ist. „Es werden ja nicht nur bei Lkws Türen zugeschlagen – auch in Pkws steigt man ein und aus“. Deshalb regt Rauch an, auch das Parkhaus in den Schallschutz zu integrieren. „Vielleicht durch Glaswände, das stört die Optik nicht und könnte wirkungsvoll helfen“. Diese Vermutung beruht auf gesundem Menschenverstand. Fachlich fundiert ist die Idee nicht. Ebenso wenig wie der Wunsch, den Schallschutz in Richtung Roth genauso umfangreich zu gestalten wie zum Schrotfeld hin. „Denn es fehlt an einem Gesamtkonzept inklusive Lärmschutzgutachten“, beklagt Christian Enz. Gleichzeitig lässt sich jedoch feststellen, so der FW-Vorsitzende, dass Unternehmen lebendige Organismen sind. „Um wettbewerbsfähig zu sein, werden Produktionsabläufe ständig überarbeitet und optimiert. Das ist wichtig, richtig und auch bei der Firma Schüller zu beobachten. So soll beispielsweise die Lkw-Tankstelle an einer anderen Stelle realisiert werden, als ursprünglich geplant. Ein Vorhaben, das wir vorbehaltlos unterstützen.“ Gerade deshalb, so Enz, ist eine nachhaltige Emissionsplanung unter Einbeziehung möglicher, heute jedoch noch nicht spruchreifer Optionen, unverzichtbar. „Leider gibt es in Herrieden die Tradition, der Entwicklung hinterher zu planen.“ Ein Beispiel hierfür sei die neue Werkseinfahrt des Möbelwerkes direkt gegenüber von Wohnbebauung. „Sollte eine Umgehungsstraße realisiert werden, wäre die Einfahrt weiter außen für alle Beteiligten sinnvoller gewesen“, ist Enz überzeugt. „Nun wird im Hau-Ruck-Verfahren eine Wand gebaut, deren Schallschutzwirkung möglicherweise nicht ausreichend ist“, sorgt sich auch Gaby Rauch. „Während sie für einen reinen Sichtschutz schon sehr großzügig dimensioniert ist.“

Wenn gleich die Baugenehmigung aus Sicht der FREIEN WÄHLER zu früh erteilt wurde, es gibt auch lobende Worte für die Entwicklung. „Gegenüber der ursprünglichen Planung fällt die Wand doch etwas niedriger aus. Außerdem wird sie nicht direkt am Fuß- und Radweg aufgestellt, sondern 1,5 Meter zurückversetzt“, betont Gaby Rauch. „Dies zeigt, dass unsere Argumente gehört wurden“, pflichtet Enz bei. „Dadurch wird es auch möglich, die Wand stark zu begrünen und bereits angepflanzte Bäume an ihrem Standort zu belassen. Damit wird sie sich akzeptabel in das Ortsbild einfügen“.