29.01.2021
Wegen Corona auf 2021 verschoben:

30-jähriges Jubiläum des FREIE WÄHLER Ortsverbandes Herrieden

 

Ein Jubiläum ist immer wieder eine willkommene Gelegenheit, um zu feiern und Rückschau zu halten. Zumal Erinnern dann am meisten Freude macht, wenn man es gemeinsam tut. Leider war dies im Jahr 2020 wegen der Corona-Pandemie nicht möglich. Deshalb wurden die Feierlichkeiten verlegt.

„Wir hatten uns alle auf eine große Feier gefreut“, sagt Christian Enz. „Und nach dem anstrengenden Kommunalwahlkampf hätte das ganze Team auch ein schönes Fest verdient gehabt“, betont der FW-Ortsvorsitzende. Doch wegen Corona wurde daraus nichts. „Allerdings ist aufgeschoben nicht aufgehoben — und wir holen unser Jubiläum würdig nach, sobald es die Situation zulässt“, verspricht Enz. In der Krise, so sagt er, sei Flexibilität gefragt. „Die ist in gewisser Weise ja typisch für die Mitglieder des Herrieder Ortsverbands“.

 

Tatsächlich ist gar nicht so klar, wie alt die FREIE WÄHLER-Gruppierung in Herrieden wirklich ist. Fest steht, der Ortsverband in seiner heutigen Form wurde am 20. Juli 1990 gegründet. „Also wenige Tage nach dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft und im Jahr der Wiedervereinigung“, bemerkt Klaus Rupprecht. „Also standen uns die Aufbruchstimmung und der Wind der Veränderung Pate“.

 

Bedarf an sachorientierter, ideologiefreier Politik gab es in Herrieden früher. „Damals war politische Vielfalt unser Ziel“, erinnert sich Prof. Dr. Richard Herrmann. „Denn es war zu befürchten, dass im Stadtrat nur noch eine Partei vertreten ist“. Deshalb trat noch im Eindruck der Gebietsreform 1972 zum ersten Mal die Liste „Freie Wählergemeinschaft Herrieden-Land“, Liste 8, an. Dabei gelang es auf Anhieb, mit Ludwig Schock, Johann Bender, Max Schock und Georg Regner in den Stadtrat einzuziehen.

 

In der Folge trat die Freie Wählergemeinschaft Herrieden-Land regelmäßig zu den Kommunalwahlen an. „Besonders schön ist es zu sehen, dass viele Gesichter von damals heute noch aktiv sind – oder ihre Kinder und Enkel“, freut sich Klaus Rupprecht. „So war unsere immerwährende Schatzmeisterin Gertrud Herrmann schon bei der Kommunalwahl 1978 mit auf der Liste“, erzählt der stellvertretende Ortsvorsitzende.

 

Beim Blättern im bescheidenen Vereinsarchiv sind in den alten Wahlunterlagen noch zwei weitere Gesichter zu entdecken, die untrennbar mit den Geschicken unseres Vereins verknüpft sind. „Man muss aber genau hinsehen. Denn Horst Winkler und Klaus Rupprecht trugen damals auch eine ganz andere Frisur“, merkt Gaby Rauch augenzwinkernd an, die 1990 selbst im Lady-Di-Look daher kam.

 

Zur Kommunalwahl 1990 tauchen dann erstmals die Farben der FREIE WÄHLER auf. Orange und Petrol sind allerdings nur in der Kopfzeile der damals ansonsten noch bescheiden in Schwarz-Weiß erstellten Werbemittel zu finden. Und noch eine Neuerung gibt es: Mit Peter Amann schickten die FREIEN WÄHLER erstmals einen eigenen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen.

 

„Gegen den Amtsinhaber hatten wir natürlich keine Chance“, erinnert sich Klaus Rupprecht. Außerdem stellten die FREIEN WÄHLER fest, dass die Bezeichnung „Herrieden-Land“ bei der Bevölkerung in der inzwischen stark wachsenden Kernstadt nur überschaubare Zugkraft besaß. „Also hat man entschieden, Nägel mit Köpfen zu machen“, erinnert sich Gertrud Herrmann. „Dann haben wir am 20. Juli 1990 formell den heutigen Ortsverband gegründet und uns den Freien auf Landesebene angeschlossen“. Gleichzeitig wurde die Bezeichnung „Land“ aus dem Namen gestrichen. „Damit wird deutlich, dass uns die Ortsteile und die Stadt am Herzen liegen“, ergänzt Rupprecht. „Das kam auch an bei den Leuten. Zum Jahresende hatten wir bereits 18 Mitglieder“.

 

„Neben der kommunalpolitischen Arbeit widmete man sich fortan auch einem lebendigen Vereinsleben“, weiß Christian Enz. „Da gab es einige Highlights, an die wir im kommenden Jahr erinnern wollen. Für dieses Jahr soll es an dieser Stelle bei einer kleinen Übersicht bleiben“. Das geht in Ordnung – denn schon wenige Höhepunkte zeigen, dass die FREIEN WÄHLER Herrieden ein kraftvoller Ortsverband sind, der auch überregional politisches Gewicht besitzt. Ein Meilenstein ist dabei auf jeden Fall das Jahr 1998, als sich die FREIEN WÄHLER – inzwischen einer der großen Ortsverbände im Landkreis – erstmals an Landtags- und Bezirkstagswahlen beteiligen.

 

Als Werner Herzog sich im Jahr 2002 in den Ruhestand verabschiedete, starteten die FREIEN WÄHLER hoffnungsvoll ins Rennen um den Chefsessel im Rathaus. „Dafür haben wir in ganz Bayern nach einem kompetenten Kandidaten gesucht“, erinnert sich Johann Heller. „Dabei sind wir auf Alfons Brandl gestoßen. Der damalige Kämmerer von Hallbergmoos hatte Interesse, aber das Organisatorische und der Umzug nach Franken ließen ihn erst zögern“, erzählt Heller. „Als er gemerkt hat, wie sehr wir ihn unterstützen, hat er sich für eine Kandidatur entschieden“. Der Rest ist Geschichte: Die FW gewinnen mit Brandl gegen die CSU – und dieser wechselt eineinhalb Jahre später die Seiten.

 

Doch es muss weiter gehen – und es geht auch weiter. Im Jahr 2008 treten die FREIEN WÄHLER wieder bei Bürgermeister- und Kommunalwahl an. An der Spitze diesmal ein neues Gesicht: Dr. Claudia Lorentzen aus Elbersroth soll den Bürgermeistersessel zurückholen. „Gegen einen Amtsinhaber immer eine besondere Herausforderung“, ist sich Christian Enz bewusst. Dr. Claudia Lorentzen zieht jedoch als Stimmen-Königin mit fünf weiteren FW-Kollegen in den Stadtrat ein. Das freut auch den FW-Landesvorsitzenden Hubert Aiwanger. Der ist am 23. Oktober 2010 Festredner, als die FREIEN WÄHLER beim Bergwirt ihr offiziell zwanzigjähriges Bestehen feiern.

 

„Natürlich wollten wir auch das Silberne im Jahr 2015 ordentlich feiern“, erinnert sich die stellvertretende Ortsvorsitzende Lorentzen. „Deswegen haben wir für den Festakt im Sportheim Neunstetten einen besonderen Referenten gesucht“. Dabei fiel dem Ortsvorstand ein junger FREIER WÄHLER auf, der zwar noch keinen Namen, dafür aber ein spannendes Programm hatte. „Sein Vortrag zum Thema Generationengerechtigkeit war anspruchsvoll. Die kurzweilige Art des Vortrags und die tiefgehenden Gedanken haben bei uns aber bleibenden Eindruck hinterlassen“. Deshalb hielt man fortan einen engen Kontakt zu Christian Enz, bis dieser schließlich im Frühjahr 2019 den Ortsvorsitz übernahm. „Leider ist es uns im Jubiläumsjahr nicht gelungen, zur Stärke von sechs Mandaten im Stadtrat zurückzukommen“, sagt Enz. „Wir freuen uns aber sehr, mit Johann Heller jetzt den 3. Bürgermeister zu stellen“. Zudem, so ergänzt Gaby Rauch, ist die FREIE WÄHLER-Fraktion im Stadtrat erstmals an der Regierung beteiligt. Die Richtung stimmt also.