11.02.2020
Neujahrsempfang der Freien Wähler Herrieden

Eroglu will weniger Präsidenten, Seifert mehr Bürgernähe

Neujahrsempfang der Freien Wähler Herrieden bringt klare Botschaften

 

HERRIEDEN – Das kalendarische Jahr ist schon einige Wochen alt. Das Wahljahr 2020 steht jedoch erst am Anfang. Grund für die Freien Wähler Herrieden, nun zu einem Neujahrsempfang zu laden. Mit dem Europa-Abgeordneten Engin Eroglu und Landratskandidat Jürgen Seifert konnte Bürgermeisterkandidat Christian Enz gleich zwei namhafte Referenten im Herrieder Bergwirt begrüßen. Dabei wurde deutlich, dass gute Politik heute eine Frage von Vernetzung ist.

Der große Saal im Herrieder Hotel Bergwirt ist gut gefüllt, als Christian Enz vor die Zuhörer tritt. Unter diesen finden sich auch zahlreiche Kreistagskandidaten und Vertreter anderer Ortsverbände. „Es ist uns eine große Freude, unseren Neujahrsempfang gemeinsam mit dem Kreisverband Ansbach austragen zu können“, betont der Bürgermeisterkandidat. „Denn Herrieden ist geografisch und wirtschaftlich das Zentrum unseres Landkreises. Und unsere Türen stehen jedem Freien Wähler immer offen“, appelliert Enz an den Gemeinsinn seiner Partei. Das freut den Kreisvorsitzenden Hans Henniger ebenso, wie Engin Eroglu. Der Europa-Abgeordnete ist ein langjähriger politischer Weggefährte von Enz – und deshalb für die Veranstaltung eigens aus Schwalmstadt angereist. „Wir haben bewusst Europa als zentrales Thema für unseren Empfang gewählt“, betont Enz. Denn, so der FW-Ortsvorsitzende, Kommunen und Landwirtschaft sind auf finanzielle Unterstützung aus Brüssel angewiesen. „Kommt da noch etwas, wenn das finanzstarke England nicht mehr dabei ist“, will Enz von Eroglu wissen. Der steht noch ganz im Eindruck des BREXIT #. „Das Ausscheiden der Briten tut weh. Es wird nur Verlierer geben – und vor allem für Deutschland richtig teuer“. Einerseits, so betont der Abgeordnete, verlieren heimische Unternehmen den barrierefreien Zugang zum britischen Markt. „Andererseits geht einer der größten Netto-Zahler. Dafür wird insbesondere Deutschland aufkommen“. Deshalb treten die Freien Wähler für einen möglichst weichen BREXIT ein.

Sorge macht Eroglu noch etwas anderes. „Macron baut Europa konsequent nach seinen Vorstellungen um – und Berlin hat in seiner jetzigen Verfassung kein Gewicht“. Dies hat fatale Folgen, so betont Eroglu. „Die Franzosen fordern beispielsweise eine Zerschlagung der deutschen Bankenlandschaft mit Genossenschaftsbanken und Sparkassen“. Erklärtes Ziel sei es, in Deutschland einen Bankenmarkt nach französischem Vorbild zu errichten – mit nur vier oder fünf Großbanken, was eine Gefahr für den Mittelstand bedeutet. „Europa ist ohnehin schon zu weit von dem Menschen entfernt. Wir brauchen weniger Präsidenten in Institutionen oder Organisationen, dafür mehr Bürgerbeteiligung“. Deshalb, so Eroglu, treten die Freien Wähler für eine Stärkung der kommunalen Ebene ein. „In einem Europa der Regionen ist dies unverzichtbar“.

Positionen für die es von Jürgen Seifert Zustimmung gibt. Der Bürgermeister aus Prien am Chiemsee will am 15. März Landrat in Ansbach werden – und setzt dabei besonders auf mehr Bürgernähe. „Gerade in Bezug auf das Krankenhaus sind Entscheidungen getroffen, die waren einfach falsch“, beklagt Seifert. Wie es genau um ANregiomed steht, kann er allerdings nicht sagen. „Ich habe bei der Geschäftsleitung um einen Termin gebeten, der wurde nicht gewährt“, beklagt Seifert und unterstreicht damit das aus Sicht der Freien Wähler inakzeptable Geschäftsgebaren. „Wir brauchen aber auf dem Land die gleiche hochwertige medizinische Versorgung, wie in den Metropolen“, ist Seifert überzeugt. „Und das geht, wenn unser Krankenhaus Vertrauen und Patienten zurückgewinnt“. Aus Sicht des Landratskandidaten braucht es dazu Qualität und Wertschätzung gegenüber dem Personal.

„Als Freier Wähler freue ich mich immer, wenn der ÖPNV ausgebaut wird“, betont Christian Enz. Deshalb freut sich der Bürgermeisterkandidat auch über die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Nördlingen und Dombühl. „Es kann aber nicht sein, dass dies zu Lasten des Busverkehrs geht. Unsere Ortsteile müssen gut nach Ansbach angebunden werden – da fährt niemand mit dem Zug über Dombühl“, ergänzt Johann Heller klar. Damit trifft der Kreistagskandidat bei Seifert auf offene Ohren. „Zwei neue Bahnstrecken reichen nicht, die Verkehrsprobleme des Landkreises zu lösen. Es ist auch keine Option, dauerhaft den Verlust der Verkehrsbetriebe auszugleichen“, betont Seifert. „Wir brauchen für den Landkreis Ansbach ein eigenständiges Konzept“. Trotz Verkehrswende will Seifert auch in den Straßenbau investieren. Er beklagt, dass aktuell Straßen dort instandgehalten werden, wo Landrat Dr. Jürgen Ludwig zu Hause ist. „Viele Bürgermeister haben mir bereits gesagt, dass sie die maroden Straßen auf ihrem Gemeindegebiet nicht mehr länger hinnehmen wollen“, betont Seifert. Um auf Nummer Sicher zu gehen, wirbt Christian Enz schon einmal für Herrieden als neuen Heimatort für Jürgen Seifert. „Wer hier lebt, wohnt zentral und nur wenige Minuten vom Landratsamt entfernt“. Außerdem, so der Herrieder Bürgermeisterkandidat, wäre es seinem Ortsverband eine Ehre, künftig Bürgermeister und Landrat zu stellen. Dafür gibt es noch einmal regen Applaus, bevor der Neujahrsempfang ausklingt.