Das ehemalige Schulhaus in Elbersroth soll zur Aufwertung des Ortes genutzt werden. Foto: C. Lorentzen

26.06.2020
Konzept für Schulhaus Elbersroth

FREIE WÄHLER wollen Kindergarten und öffentliches Leben im Einklang

Wenn im September das neue Schuljahr beginnt, fehlen aktuell zirka 40 Plätze in der Kinderbetreuung. Weil Eltern einen Rechtsanspruch auf Kindergartenplätze haben, braucht es eine zügige Lösung. "Die sah der frühere Bürgermeister im Ausbau des Dachgeschosses unseres Kindergartens in Neunstetten", erinnert Christian Enz. Diese Lösung, so der FW-Fraktionsvorsitzende, hätte die Stadt ungefähr 300.000 Euro gekostet und nur wenige Plätze gebracht. "Wir hätten Steuergeld in ein Gebäude gesteckt, das uns nicht gehört. Gleichzeitig hätten wir uns aber schon bald wieder mit der Schaffung neuer Kindergartenplätze befassen müssen", fürchtet Enz. "Denn Herrieden ist eine wachsende Stadt".

Von Jechnerers Konzept überzeugt

Bereits in der zweiten Sitzung nach ihrer Wahl zur Bürgermeisterin stellte Dorina Jechnerer dann ein neues Kindergartenkonzept vor. Zentraler Punkt dieses neuen Konzeptes ist es, im ehemaligen Schulhaus Elbersroth eine Außenstelle des Kindergartens Oberschönbronn einzurichten. Die Fraktion der FREIE WÄHLER begrüßt diesen Ansatz. "Wir wissen schon lange, dass im Kindergarten Oberschönbronn ein Gymnastikraum fehlt", sagt Johann Heller. "Es gab sogar schon Überlegungen, für den Sport ins Feuerwehrhaus zu gehen". Dies wäre aus Sicht der FREIEN WÄHLER eine Notlösung gewesen.

 

Das neue Konzept von Dorina Jechnerer schafft allerdings auch für diese Herausforderung Abhilfe. Gedacht ist es, dass Kinder abwechselnd in Oberschönbronn und in Elbersroth in den Kindergarten gehen. "Am Standort Elbersroth haben die Kinder mehr Platz für Bewegung - auch Innen. Das ist super, denn so können sie sich auch bei schlechtem Wetter austoben", freut sich Gaby Rauch. In Oberschönbronn bleibt dann mehr Raum für pädagogisches Arbeiten und die Kleinsten, erläutert die FW-Kindergartenexpertin.

 

"Natürlich sind wir uns bewusst, dass ein Wechsel des Kindergartenstandortes eine Herausforderung ist", unterstreicht Christian Enz. "Es kann von den Eltern nicht erwartet werden ihr Kind in einer Woche nach Oberschönbronn und in der anderen nach Elbersroth bringen zu müssen", findet der FW-Fraktionssprecher. "Denn es gilt auch einen Alltag zu organisieren." Außerdem muss muss Sorge dafür getragen werden, dass Freundschaften durch die Aufteilung nicht zerrissen werden. "Auch der Fahrdienst muss geklärt werden. Die Kapazitäten des Kindergartenbusses lassen sich nicht beliebig ausweiten", betont Enz. "Hier können wir uns gut vorstellen den von uns lange geforderten Bürgerbus für von Eltern organisierte Fahrgemeinschaften zur Verfügung zu stellen". Eventuell könnten dann bei der Rückfahrt sogar andere Bürger mit nach Herrieden genommen werden, etwa für Arztbesuche oder zum Einkaufen. "Da steckt noch viel Potenzial drin. Deswegen wollen wir diesen Bus ja schon lange", ergänzt Heller.

 

Klar ist aber auch: das ehemalige Schulhaus in Elbersroth ist derzeit nicht leer. Verschiedene Organisationen, Vereine und Projekte nutzen die Räumlichkeiten derzeit. "Deren Aktivitäten dürfen nicht gefährdet werden", sagt Enz. "Doch Dorina Jechnerer hat bei Vorstellung des Konzeptes am 27.05.2020 ausdrücklich versprochen, dass alle bisherigen Nutzer auch weiterhin im alten Schulhaus bleiben können." Außerdem, so Enz, gehörte zum Konzept eine umfangreiche Bürgerbeteiligung. Sowohl was den Kindergarten Neunstetten und den dauerhaften Umgang mit dem alten Schulhaus betrifft, als auch was die Zukunft des ehemaligen Schulhauses in Elbersroth angeht. "Ein Kernpunkt ist beispielsweise das baldmöglichste Abhalten von Bürgerversammlungen zu diesem Thema". Aktuell sind diese vom Landratsamt allerdings noch untersagt - es fehlt die Freigabe durch das Innenministerium.

Aktion der CSU nicht nachvollziehbar

Die FREIEN WÄHLER haben dem neuen Kindergartenkonzept im Stadtrat aus folgenden Gründen zugestimmt:

  • Schaffung notwendiger Kindergartenplätze bis Herbst
  • Langfristiges Konzept mit Puffer
  • Aufwertung der Kindergärten in Oberschönbronn und Neunstetten
  • Nutzung des alten Schulhauses in Neunstetten nur vorübergehend
  • Aufwertung der Außenorte Elbersroth und Neunstetten
  • Einbeziehung von Eltern und Einwohnern

Alles in allem überzeugende Argumente. Dies ist daran erkennbar, dass dem Konzept auch weite Teile der Opposition zustimmten. Es wurde mit nur vier Gegenstimmen beschlossen. Trotzdem kam einige Tage nach Antragsschluss für die Stadtratssitzung am 17.06. ein Antrag der CSU. "Richtiger Weise wurde dieser nicht auf die Tagesordnung gesetzt", erläutert Christian Enz. "Dabei kommt es uns nicht auf Prinzipienreiterei an", stellt der Fraktionsvorsitzende klar. "Wenn der Antrag inhaltlich berechtigt gewesen wäre, hätten wir seine Behandlung ohne Rücksicht auf Fristen befürwortet". Aber der Antrag, so Enz, hatte inhaltlich keine Substanz. "Wir haben am 27.05. ein Konzept bechlossen, dass ein langfristiges Nutzungskonzept für das alte Schulhaus in Elbersroth einfordert, ebenso wie eine Bürgerversammlung". Damit ist schon beschlossen, was die Opposition nun fordern wollte. Dieses Geschäftsgebaren ist für uns als FREIE WÄHLER kaum nachvollziehbar.

 

Besondes verwundert ist man in den Reihen der FREIEN WÄHLER darüber, dass in der Opposition überlegt wird den Kindergarten in Oberschönbronn ganz aufzugeben. Hintergrund ist die Vermutung, größere Kindergärten ließen sich wirtschaftlicher betreiben. Außerdem gäbe es mittelfristig im Hauptort die meisten Kinder, weshalb man die Betreuung dort forcieren sollte. "Das ist nicht weniger als die Aufgabe unserer Ortsteile", kritisiert Christian Enz. "Das ist mit uns Freien Wählern nicht zu machen", so der Fraktionsvorsitzende. "Allerdings muss sich Infrastruktur an ändernde Bedürfnisse anpassen und für die Stadt dauerhaft finanzierbar sein".

 

Angesichts reger Bautätigkeit in Birkach und Elbersroth hatten die FREIEN WÄHLER deshalb bereits 2008 den Umzug des Kindergartens von Oberschönbronn nach Elbersroth beantragt. "Ziel war es, eine leistungsfähige Kinderbetreuung in der Fläche zu erhalten", erinnert Christian Enz. Doch das Ansinnen war an der damaligen Mehrheit gescheitert. Stattdessen wurde eine sehr hohe sechsstellige Summe in den Ausbau von Oberschönbronn gesteckt. Obwohl das Gebäude damals schon erkennbar zu klein war. "Das neue Konzept von Dorina Jechnerer sorgt dafür, dass die Investitionen in Oberschönbronn nicht vergebens waren. Es wertet gleichzeitig Elbersroth auf und bietet ein neues Kindergartenprofil, von dem auch Kinder in den anderen Ortsteilen profitieren werden", resümiert Christian Enz. 

Christian Enz • Juni 20, 2020