30.06.2020
Herrieden soll am Schrotfeld wachsen

FREIE WÄHLER sind für weitere Erschließung

Herrieden ist gefragt. Dank hervorragender Unternehmen wächst die Zahl attraktiver Arbeitsplätze kontinuierlich. Gleichzeitig macht die verkehrsgünstige Lage unsere Stadt auch für Menschen interessant die in Ansbach, Crailsheim oder dem Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen arbeiten. "Diese Entwicklung ist positiv zu sehen. Denn wenn auch unsere Kinder und Enkel vor Ort bleiben können und junge Familien zuziehen, haben wir mittelfristig viele Probleme anderer Kommunen in West-Mittelfranken nicht", sagt Christian Enz. "Allerdings kann die Stadt aktuell Bauinteressenten keine Grundstücke mehr anbieten", weiß der Fraktionsvorsitzende der FREIEN WÄHLER.

Aufwändige Verhandlungen waren erfolgreich

Eine Entwicklung, die vorhersehbar war, wie Johann Heller betont. Deshalb, so der heutige 3. Bürgermeister, wurden bereits in der vorhergehenden Stadtratsperiode Maßnahmen ergriffen. "Es ist uns in komplizierten Verhandlungen gelungen geeignete Grundstücke für die Stadt zu erwerben", berichtet Heller. Konkret bedeutet dies, dass es am Schrotfeld bald weitergehen könnte. Auch der Entwurf eines Bebauungsplanes wurde bereits entwickelt - gemeinsam mit dem Nürnberger Ingenieurbüro Vogelsang. Dipl.-Ing. Kristina Vogelsang und ihr Team betreuten bereits den vorangegangenen Abschnitt und wollen nun eine behutsame Weiterentwicklung. Die war jedoch Anfang des Jahres ins Stocken geraten - nachdem der Stadtrat sich nicht mehr mit den Einwendungen beschäftigt hat. "Wir sind deshalb sehr froh, dass die Bürgermeisterin dieses Thema trotz anderer großer Herausforderungen nicht aus dem Auge verloren hat", betont Christian Enz.

Nicht alle Einwände nachvollziehbar

In der Stadtratssitzung vom 17.06.2020 wurden nun die Einwendungen zur Kenntnis gebracht. Als ein Knackpunkt stellte sich die Straßenanbindung des Neubaugebiets heraus. Um für maximale Verkehrsberuhigung zu sorgen ist hier bislang nur eine Zufahrt in die Hohenberger Straße geplant. "Wir freuen uns, dass die Aufsicht dies für nicht ausreichend hält", sagt FW-Fraktionssprecher Christian Enz. "Im Gebiet werden einmal über 1.000 Menschen leben. In Stoßzeiten, insbesondere in der Früh, ist mit erheblichen Verkehrsproblemen zu rechnen. Außerdem werden die die Anwohner in Einmündungsnähe extrem belastet". Deshalb befürworten die FREIEN WÄHLER einen zweiten Anschluss an die Hohenberger Straße. "Eine ähnlich ungünstige Situation haben wir bereits im vorhergehenden Abschnitt", ergänzt Gaby Rauch. "Deshalb ist auch noch zu überprüfen, ob nicht eine Verbindung zwischen den Bauabschnitten des Schrotfelds auch Sinn macht", so die Stadträtin. "Rennstrecken könnten ja durch eine durchdachte Straßenführung vermieden werden".

 

Außerdem, so Kristin Vogelsang, sehe die Aufsicht im bisherigen Planungsentwurf zu wenig öffentliche Grünflächen. Eine Position, die auch von B90/Grüne vertreten wird. Deshalb schlägt unser Koalitionspartner eine Verlängerung des Grünstreifens zwischen den Abschnitten 15.2 und 15.4 vor. "Allerdings ist zu berücksichtigen, dass jede öffentliche Grünfläche gleichzeitig entgangenen Gewinn für die Stadt darstellt", betont Christian Enz. Deshalb fragt der FW-Fraktionsvorsitzende in der Stadtratssitzung ob es Richtwerte für das Verhältnis von bebauten und unbebauten Grundstücken gibt. Dies verneint Kristin Vogelsang. Dies bestärkt die Position der FREIEN WÄHLER, dass die angedachten öffentlichen Grünflächen ausreichend dimensioniert sind.

 

Kritisch sieht die Fraktion der FREIEN WÄHLER auch Überlegungen, im Bebauungsplan konkrete Vorgaben zum Umweltschutz zu machen. Hier gibt es verschiedene Überlegungen die von Dachgestaltung bis hin zu Vorgaben zur Nutzung erneuerbarer Energie reichen. "Wir müssen jeden unterstützen, der in den Umweltschutz investieren will", betont Christian Enz. "Aber wir sind dagegen Vorschriften zu machen, die über die staatlichen Bauvorschriften hinaus gehen." Denn nicht jeder Bauherr kann sich alles leisten, was heute technisch möglich ist. "Wir treten dafür ein, den Menschen bei der Verwirklichung ihres Wohntraums freie Hand zu lassen. Deshalb wollen wir einen möglichst liberalen Bebauungsplan", formuliert Enz in der Stadtratssitzung. Dies ermöglicht Umweltschutz auf freiwilliger Basis. Etwa durch eine für Photovoltaikanlagen optimale Ausrichtung der Gebäude oder die Begrünung von Dachflächen.

 

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Bebauung im neuen Schrotfeld wesentlich dichter erfolgen soll als in Herrieden bislang üblich. "Das ist generell in Ordnung. Wir müssen mit dem Flächenverbrauch sorgsamer umgehen um Belange von Mensch, Tier und Natur in Einklang zu bringen", unterstreicht Enz. "Allerdings sind wir eine ländliche Stadt und unsere Bürger auch die nächsten Jahrzehnte noch auf das eigene Auto angewiesen". Damit stellt sich die Frage ob in den Planungen genügend Parkplätze vorgesehen sind. "Heute baut man Straßen so schmal, dass da kaum Autos stehen können", beklagt Enz. "Aber Kinder werden groß und das Führerscheinalter sinkt. Über kurz oder lang bräuchte jedes Kinderzimmer auch einen Pkw-Stellplatz", resümiert der FW-Fraktionsvorsitzende. "Von Besuch habe ich da noch gar nicht gesprochen". Eine Argumentation, die für Manfred Niederauer (FoB) nicht von der Hand zu weisen ist. Er regt an für die weitere Planung an zentrale Lösungen wie Tiefgarage oder Parkhaus nachzudenken. Dies, so Niederauer, könnte von der Stadt betrieben und an Anwohner verpachtet werden. "Ein aus unserer Sicht bedenkenswerter Vorschlag, der zeigt wie wichtig es ist, das von uns geforderte Kommunalunternehmen anzugehen", findet Christian Enz. "Dies wäre ein optimaler Betreiber.

 

Vor allem könnte ein Kommunalunternehmen auch als Betreiber eines Blockheizkraftwerkes auftreten. Einen solchen am freien Markt zu finden ist aus Sicht von Kristina Vogelsang eher schwierig. "Es ist nicht möglich die Bauherren zu zwingen sich da anzuschließen." Deshalb ist das wirtschaftliche Risiko für Investoren bei solchen Projekten zu hoch. Anders verhält es sich, wenn ein Investor ein ganzes Areal in Eigenregie entwickelt. "Eine solche Retortensiedlung ist für uns aber kein Thema. Das passt in Großstädte, nicht in den ländlichen Raum", stellt Enz klar. "Wir Freie Wähler sind ohnehin keine Freunde von Zwang", betont der FW-Fraktionsvorsitzende. "Aber wenn ein Unternehmen in städtischer Hand ein Wärme-Netz bietet, ist das etwas anderes. Es müssen keine hohen Renditen erwirtschaftet werden und es muss niemand Sorge haben, dass nach einer Schonfrist die Preise explodieren", skizziert Enz. "Das wird so attraktiv, da wird sich jeder anschließen wollen".

 

In der Stadtratssitzung machten die FREIEN WÄHLER auch noch auf ein weiteres Thema aufmerksam. "Es gibt viele Menschen, die auf einen Bauplatz warten", ist Christian Enz sicher. "Aber nicht alle haben die gleichen finanziellen Mittel. Wir sollten uns Gedanken machen wie es sichergestellt werden kann, dass am Ende nicht wenige Käufer viele Bauplätze erwerben - und andere leer ausgehen." Vor diesem Hintergrund regt die FREIE WÄHLER Fraktion an über ein Einheimischenmodell nachzudenken.

Christian Enz • Juni 20, 2020